Leben und Werk

 

Friedrich Rückert wird am 16.Mai 1788 in Schweinfurt geboren.

 

  • Sein Vater ist ein aus Thüringen eingewanderter Jurist.

 

  • Er wird bald in das Dorf Oberlauringen versetzt.

 

  • Dort legt Rückert beim ansässigen Pfarrer die Grundlagen für seine Sprachkenntnisse.

 

  • 1805, mit siebzehn Jahren, nimmt F. Rückert auf Wunsch des Vaters das Jura-Studium an der Universität Würzburg auf. Es zeigt sich jedoch rasch, dass sein Interesse viel stärker im Bereich der Philologie und Mythologie angesiedelt ist.

 

  • Er studiert ein Semester in Heidelberg bei Creuzer, wo er tiefer in diese Materie eindringt.

 

  • 1810. Als Nachkömmling wird seine Schwester Marie geboren, nachdem die Eltern drei kleine Mädchen verloren hatten. Für sie schreibt er 1813 «Fünf Märlein zum Einschlafen».

 

  • Seine Dissertation (de ideae philologiae) legt er 1811 in Jena vor. Darin spricht er sich erstmals vehement für das Deutsche als geeignete Sprache für Übersetzungen und Träger einer Weltliteratur aus. Damit knüpft er an Gedanken Herders und Goethes an.

 

  • Während der Befreiungskriege gegen Napoleon beginnt er unter dem Pseudonym «Freimund Reimar» politische Zeitgedichte «Geharnischte Sonette», 1812) zu schreiben. Diese tragen zum großen Teil deutsch-nationale Züge und werden allgemein als von geringem künstlerischen Wert angesehen. Auch später lässt er von dieser Art zu dichten nicht ab, z.B. in den «Kaiserliedern» 1848/49 oder einem Nachruf auf den ermordeten amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln (1865).

 

  • Für seine sechzehnjährig verstorbene Bekannte Agnes Müller dichtet er 1812 die Sonettsammlung «Agnes’ Totenfeier». Ebenfalls von diesem Jahr datieren 75 Sonette, die er der Gastwirtstochter Marie Elisabeth Geuss widmet. Sie werden zum Besten deutscher Liebeslyrik gezählt.

 

  • 1815 erlangt der junge Dichter durch Protektion eine Anstellung beim Verlag Cotta in Stuttgart. Seine dort anfänglich enge Freundschaft zu Ludwig Uhland lässt er abkühlen und verlässt Stuttgart 1817 bereits wieder.

 

  • Der hoch aufgeschossene Dichter unternimmt nun in altdeutscher Tracht ausgedehnte Reisen durch die Schweiz und Italien. In Rom ist er geachtetes Mitglied der deutschen Künstlergemeinde. Etliche Freundschaften entstehen. Die einzige, die länger hält, knüpft er zu dem Kupferstecher Carl Barth aus Eisleben, der sich 1853 das Leben nimmt.

 

  • In Italien entdeckt er neue Gedichtformen, wie Oktaven und Ritornelle. Seine Übersetzung der Ritornelle aus Ariccia spiegeln italienisches Leben und Eindrücke von Land und Leuten wieder.

 

  • Anlässlich einer Reise nach Wien lernt er den Orientalisten Hammer kennen, der ihn ins Persische und Arabische einführt. Goethes «West-Östlicher Divan» ging schon auf die Übersetzung der Werke des persischen Dichters Hafis zurück, die Hammer vorgelegt hatte. Die erste Frucht seiner neuen Liebe zu den östlichen Sprachen und Literaturen entsteht 1819 (veröffentlicht 1821) unter dem Titel «Östliche Rosen». Sogleich entsteht Ablehnung in der deutschen Kritik, die das Werk durchweg als ein Abweichen vom deutschen Weg ansieht. Als Orientalist wird er aber für die Qualität der Übersetzungen hoch gerühmt.

 

  • Gleichzeitig entsteht die Übersetzung der «Ghaselen» nach Dschelaladdin Rumi. Dieser 1273 verstorbene islamische Mystiker gilt als der geistige Vater der Tanzenden Derwische. Damit führt Rückert die Gedichtform des Schauen Sie in die Test-ModiHier finden Sie einige

 

  • s, die zulassen, dass ihre Spieler, um ihre Maschinen zunachst prufen, bevor wirklich spielen wird. Ghasel neu in die deutsche Literatur ein. Er verfeinert die Form des Ghasel in seiner Dichtung unter dem Dichternamen Freimund über Jahre immer weiter, bis er sie schließlich in den «Kindertotenliedern» zur Meisterschaft führt.

 

  • Nach seinem Umzug nach Coburg im Winter 1820 lernt er die zehn Jahre jüngere Tochter seiner Hauswirtin, Luise Wiethaus-Fischer, kennen, die er Weihnachten 1821 heiratet. Sie ist die große Liebe seines Lebens und wird die Mutter seiner zehn Kinder. Für sie schreibt er unermüdlich quellend ein Gedicht nach dem anderen. Erst 1844 wird diese sehr umfangreiche Sammlung unter dem Titel «Liebesfrühling» veröffentlicht.

 

  • In jenen Jahren arbeitet er intensiv am Arabischen und übersetzt große Teile des Koran und er wagt sich an das schwierigste literarische Werk des Arabischen, die «Makamen des Hariri». Die Orientalistin Annemarie Schimmel vermerkt dazu: «Es ist ein völliges Rätsel, wie es ihm gelang, ohne zureichende Wörterbücher und andere Hilfsmittel den Text ... in deutsche Reimprosa zu übertragen, die nicht nur den Charakter des Arabischen treulichst wahrt, sondern auch eine bewundernswerte Vertrautheit mit der materiellen und religiösen Kultur der mittelalterlichen Araber zeigt.» (Fußnote)

 

  • Seine fast jährlich wachsende Familie kann der Dichter jedoch damit nicht ernähren. Und so gelingt es ihm ab Herbst 1826 eine Professur für orientalische Sprachen in Erlangen anzutreten. Er erweist sich als äußerst mäßiger Dozent, nutzt aber die Zeit um sich in neue Fremdsprachen einzuarbeiten. So bringt er sich das schwierige Sanskrit selbst bei und legt schon 1828 erste Nachdichtungen in deutscher Sprache vor. Er betrachtet sich als der «abgedankte Poet und notgedrungene Orientalist». Dennoch schreibt er in dieser Zeit zahlreiche Gedichte, die 1838 als «Haus- und Jahreslieder» veröffentlicht werden.

 

  • Diese friedvollen Jahre werden durch den jähen Tod seiner beiden jüngsten von zu dieser Zeit sieben Kindern um die Jahreswende 1833/34 unterbrochen. Ihnen widmet der Dichter die mehr als 400 «Kindertotenlieder». 1835 stirbt seine Schwester Marie, der er einst die «Fünf Märlein» gedichtet hatte.

 

1836-38 erscheint sein didaktisches Hauptwerk «Weisheit des Brahmanen». Darin erweist er sich selbst als der hochgelehrte, in erhabener Ruhe die Welt überblickende Weise. Auch wenn das Werk, vielleicht beeinflusst durch den «Cherubinischen Wandersmann» des Angelus Silesius, für den heutigen Leser in seinen durchgehenden Alexandrinern recht eintönig wirkt, so zeigt es doch Rückerts tiefe Einsichten und liebende Religiosität, abseits aller Dogmatik des württembergischen Protestantismus’, in dem er lebt. Seine Beschäftigung mit den Weisheiten anderer Weltreligionen schlägt sich hier beeindruckend nieder. Kurz darauf folgen «Brahmanische Erzählungen», «Sieben Bücher Morgenländischer Sagen und Geschichten» «Erbauliches und Beschauliches aus dem Morgenland». Seine Situation in Erlangen mit seiner provinziellen Enge, in der der weltläufige Gelehrte nicht verstanden wird, erweist als immer bedrückender für ihn. Er kauft das Gut Neuses als Alterssitz, folgt aber 1841 hocherfreut einem Ruf als Orientalist nach Berlin. Gleichzeitig beschließt er keine Gedichte mehr zu veröffentlichen. Seine Hoffnungen in der Berliner guten Gesellschaft wirken zu können und auch aktiv am Theaterleben teilhaben zu können erweisen sich als trügerisch. Trotz etlicher dramatischer Werke, die sich sämtlich als bühnenuntaugliche Lesedramen entpuppen, vereinsamt er immer mehr. Als Hochschullehrer ist er jedoch dennoch erfolgreich. Erfindet viele Schüler, die in seinem Sinne über seine Lebenszeit hinaus wirken sollten. Auch ist er äußerst produktiv in seiner orientalistischen Arbeit. Er veröffentlicht die dichterische übersetzung der mehr als tausend Gedichte der altarabischen Sammlung «Hamasa» (1846) sowie der Poesie des vorislamischen Dichters Imru’lqais (1843). Ausgerechnet im März 1848 verlässt der kränkelnde Dichter Berlin für immer. In den folgenden Jahren widmet er sich mehr philosophischen Themen, lernt aber auch das Malaiische, die südindischen Sprachen, das Armenische und das Koptische hinzu. Auch wendet er sich wieder der klassischen Philologie zu. Der Tod seiner Frau Luise im Juni 1857 trifft Rückert schwer. Er lebt von nun an noch zurückgezogener und seine älteste Tochter Marie sowie seine Schwiegertochter Almaleisten ihm auf Gut Neuses oft Gesellschaft. Letzterer widmet er auch eines seiner letzten Gedichte , bevor er am 31. Januar 1866 stirbt. Bis zuletzt hatte er aktiv in Sprachen und Dichtung gearbeitet und kurz vor seinem Tode schrieb er: « ...Wenn ich noch zehn Jahr leben soll - zu arbeiten hab ich genug.» In der Einleitung zu seiner Übersetzung des «Hamasa» schrieb er einst: Es ist mein Volk, das große, Das sendet täglich aus Die Söhn’ aus seinem Schoße, Zu führen in sein Haus Die Völker aller Zungen, und wunderbar erklungen Ist da ein Weltgespräch beim Schmaus...